Journal Frankfurt

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Da lacht das Geographenherz 😉

Aber Spaß beiseite, heute wollte ich Euch mal auf die Kolumne von Ana Marija Milkovic im Journal Frankfurt aufmerksam machen:

„Kein Gefallen

Studenten in Anzügen – oder warum Häuser Menschen machen

Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic gibt keine Tipps für ein besseres Leben. Vielmehr bezieht sie Stellung zu städtebaulichen und architektonischen Entwicklungen in unserer Stadt – ohne sich dafür rechtfertigen zu wollen.
Ich berichte in meiner Kolumne „No Sex in the City“ nicht über mein Liebesleben. Ich gebe ich auch keine Tipps wie Ihres besser laufen könnte. No Sex in the City ist gleichbedeutend mit „nicht sexy“ und nimmt gerne Bezug auf Entwicklungen, die sich urheberrechtlich im Stadtbild auftun, unabhängig davon wer sie verantwortet.Ich möchte aber eigentlich über etwas ganz anderes berichten. Der Autor Niklas Maak, dessen Artikel ich sehr schätze, hat vor einigen Wochen in der FAZ einen Text verfasst, den ich nicht verstehe. Es ging um ein Gebäude, das auf den Betrachter verstörend wirkt und der Architekt nicht verschuldet haben soll. Der Architekt hätte bereits sein Möglichstes getan, schrieb Maak, das Gebäude tiefer gelegt und Bäume gepflanzt, genau genommen den Neubau des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin.

Urheberrecht ist es eine persönliche, geistige Schöpfung. Vergleiche ich das Wettbewerbsergebnis für das Gebäude des BND mit dem fertig gestellten Bauwerk, so bleibt kein Zweifel: Hier wurde exakt der Bestellung nach geliefert. Bereit gestellt wurde ein rigides Monument nicht endend wollender Fassadenabwicklung, das an seinen baulichen Enden aus der Vogelperspektive einen Haken schlägt. Nicht verschuldet wurde der BND von Kleihues + Kleihues Architekten, die annähernd zeitgleich auch unser House of Finance auf dem neuen Campus im Westend entwarfen.

Der eine oder andere behauptet, hier handelt es sich um neofaschistische Architektur, die ihren Anfang in Berlin genommen hat, eine Gesellschaft der Blöcke genannt wird, sich an unsere Vergangenheit vor 1945 erinnert und sich unter anderem in unseren Campus in Frankfurt über eine Gestaltungssatzung manifestiert. Aber gibt es überhaupt eine neofaschistische Architektur? Wenn ja, handeln die Protagonisten einer neofaschistischen Ästhetik auf Grundlage einer Weltanschauung oder dem gefälligen Proporz? Faschismus ist nicht gleichbedeutend mit Nationalsozialismus. Faschisten sind vielmehr Opportunisten, die sich in einem ideologischen Supermarkt ganz nach aktuellem Bedarf bedienen, lese ich im Archiv der NZZ nach. Eine Ideologie wiederum ist eine gesellschaftlich erzeugte Vorstellung, die zur Verschleierung und damit zur Rechtfertigung der eigentlichen Machtverhältnisse beitragen kann, wusste schon Karl Marx beizutragen.

Ein großartiger Wurf war die Entscheidung des Landes Hessen in das ehemalige IG-Farben Gebäude die Johann-Wolfgang-von-Goethe Universität unterzubringen. Rückwärtig zum Gebäude liegen die Neubauten, die sich größtenteils gleichen. Das verwundert, da die Gebäude urheberrechtlich von verschiedenen Architekten verantwortet sind. Alle Gebäude sind steinern. Alle Gebäude sind vornehmlich mit Lochfassaden mit Naturstein bekleidet. Da liegt der Verdacht nahe, hier könnten sich Opportunisten Gestaltungsrichtlinien eines ideologisch überfrachteten Supermarktes bedient haben. Nicht alle taten das. Ferdinand Heide zum Beispiel. Das Casino- und Hörsaalgebäude stechen aus der Uniformität wohltuend heraus.

Wie diese Gestaltungsrichtlinien aber ausgesehen haben mögen, lässt sich am House of Finance gut betrachten. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass sich ausgerechnet ein Frankfurter Architekt dazu akkreditiert fühlte, seinen Kollegen Vorgaben zur Gestaltung des neuen Campus machen, der wiederum mit seinem städtebaulichen Beitrag aus dem Wettbewerbsverfahren in der ersten Runde ausschied. Ich erinnere mich sehr gut daran, da ich selbst mit meinem eigenen Büro in einer Arbeitsgemeinschaft mir Münchener Kollegen zweite Preisträgerin des international offenen Wettbewerbes war.

Ein solcher Vorgang setzt eine Ideologie voraus, die eine persönlich erzeugte Vorstellung ist, die sich zur Rechtfertigung des eigenen Machtanspruchs über pluralistische Wettbewerbsergebnisse erhebt.

Ana Marija Milkovic“
http://www.journal-frankfurt.de/journal_news/No-Sex-in-the-City-57/Kein-Gefallen-Studenten-in-Anzuegen-oder-warum-Haeuser-Menschen-machen-21723.html
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